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DIESSEN.– Beim großen Hochwasser sind die Renken in der Wirtsstub’n herum geschwommen. Ähnlich dramatisch ging es her, als Stammtischbrüder eine andere feucht-fröhliche Idee hatten zu der Zeit, als im „Garten”-Dreieck vor dem Saal noch Gänse auf den Martinitag warteten. Bisweilen war ihr Federkleid nicht strahlend weiß – durch ein Bad sollten sie sauber werden, sagten Stammtischler und schleppten das Federvieh zum Waschen an den Ammersee. Beim Unterbräu hat die Gaudi meistens was mit Feuchtigkeit zu tun. Die kommt manchmal auch aus einer Saufmaschine – man erinnere sich nur an den legendären Wettbewerb um den Bau der schönsten – in der Regel aber aus dem Fass unter der Theke. Seit 100 Jahren. Das wird kräftig gefeiert. Am Dienstag, 1. Juli 2008. Der 1. Juli spielt eine tragende Rolle bei den Götzfrieds, die seit 100 Jahren – das sind drei Generationen – auf dem Unterbräu sind und damit das älteste Wirtshaus in der Fischerei fest im Griff haben. Fangen wir von vorne an: Am 1. Juli 1908 kam der Braumeister Franz Götzfried (1881 - 1960) aus Mörgen im Allgäu an den Ammersee und erwarb für 40.000 Mark den Unterbräu. Die Hälfte des Geldes steuerte sein Bruder bei, der damals ein Metzger in München war. Eine Wirtschaft mit Brauerei, Fremdenzimmern, Landwirtschaft, mit Stadel, Fremdenstallung, „und gwohnt hams auch noch da”, schmunzelt Franz Götzfried Nummer drei, der dank des 1. Juli 1908 heute der Bräu ist zusammen mit der Gabi. Als der Großvater starb, machte automatisch der Vater, der „Red Frenz” weiter mit der Mutter. 1993, auch am 1. Juli ist dann ganz offiziell an die heutigen Wirtsleut’, übergeben worden. Die Unterbräu-Geschichte ist sicherlich ein Stück echte Dießner – oder besser: Fischereier – Geschichte. Aber sie ist auch humorvoll und voller Kuriositäten. Sei es, dass man einmal über 20 Jahre keine Konzession besaß, „die zu erneuern, das ist einfach vergessen worden”, erzählt Franz. Seit 1980 hat man wieder eine. Dass der Wirt auch immer Brauer war, gehört beim Bräu zum guten Ton. In Kaltenberg hat er die Bierkeller unsicher gemacht. Bei Seiner Königlichen Hoheit zu lernen, war selbstverständlich, denn Kaltenberger Bier fließt seit 90 Jahren aus dem Zapfhahn. Dass der Franz der letzte Kaltenberger Braumeister war, der Märzen braute, ist erst dieser Tage bekannt geworden. Prinz Luitpold, der sich vor Monaten schon zum Festakt angekündigt hatte, musste kurzfristig absagen. Bei einer fröhlichen Wittelsbacher-Mode und Wittelsbacher-Biergarten-Tour zu dritt, ist die Rede aufs Märzen gekommen. Kurzerhand versprach der Prinz, dass an statt seiner eben ein Hektoliter Märzen (wurde heuer wieder gebraut) zum Festakt kommt, auf den man sich im Unterbräu gut vorbereitet. Trotzdem: Zeit über den 1. Juli 2009 nachzudenken, nimmt sich die Gabi schon: „Du, Anna”, sagt sie zu ihrer Tochter, „da werd fei übernommen.” Anna schweigt, während Gabi den drei Wochen jungen Franz auf dem Arm schaukelt und verliebt die fünfte Bräu-Generation anhimmelt. Warten wir’s erst mal ab, was der 1. Juli 2008 bringt. Auf jeden Fall herzliche Glückwünsche von der Heimatzeitung. – Stoßen wir an auf die nächsten 100


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