http://unterbraeu-diessen.de/uploads/images/kaltenberg.png

DIESSEN – Neue Heimat für den Diessener Fasching: Jahrzehntelang strebte ganz Diessen nach St. Schorschi, aber der Behördenschimmel hat diese coole Tradition zu Tode geritten. Jetzt hat sich die Narrengesellschaft auf die Gaudi-Zentrale - auch Unterbräu genannt - in der Fischerei eingeschossen. Im fünften Jahr gehört es zum guten Narrenton, mit langer Nase allen Spuren hinterher zu spüren, die aus den vier Himmelsrichtungen – und rund um den Ammersee bis hinein ins Oberland – riechen, wo zwischen Dorfmusikant und Weltmusik jeder auf die Pauke haut, der was auf sich hält.

Dafür gibt es Regeln. Regel Nummer eins: Ab heute werden Leiterwagen, ausrangierte Mistkarren, Kinderwagen, Hochräder, Fahrräder, Mountainbikes und alles, was Räder hat, dekoriert, aufpoliert, gehübscht, umgebaut und aufgebaut. Das Ergebnis muss originell sein und Fotografen animieren zum Fotografieren (die schönsten Bilder werden dann im Lieblingswirtshaus aufgehängt und die Fotografen bekommen ein Bier und einen Rollmops dafür). Die Regel Nummer zwei: Ab heute werden die Heimatzeitungen gelesen und die Heimatradios gehört, weil die Schubkarren-Parade, sprich der Fischereier Faschingsumzug ja auch von politischen und gesellschaftlichen Schmankerln lebt nach der Devise: Es soll gelacht werden über Aktualitäten, übers Dorfgeschehen, über die Rathaus-Narreteien, wer mit wem und überhaupt ...

Gelacht wird übrigens schon ab dem Rußigen Freitag, 24. Februar, im Bräu. Wie üblich trifft sich die Feuerwehr- und Hauskapelle Krach und Fürchterlich in der Wirtsstubn zu Jahreshauptversammlung, Marschprobe und Generalübung. Auf Wunsch der jungen Feuerwehrler wird so kräftig eingeheizt bis der Kachelofen glüht und die Pelzjacken und Fellmützen – die jeder reichlich anhat, zur Qual werden. Wie dereinst beim legendären Heize-Ball. Wer die die saunamäßige Hitze nicht aushält, schält sich aus seinen Pelzlagen – dafür werden die Fensterläden geschlossen, damit neugierige Blicke nicht zum Zuge kommen.

Etwas ruhiger geht es beim Faschingssonntag, 26. Februar zu. Beim traditionellen Jahresessen tischen die Wirtsleut, Anna und Martin Brink auf, was die bairische Küche für so einen Anlass beschert. Vom Klassiker mit Kruste bis zum Brotzeitteller mit Willie. Wer dabei sein will, möge schnell reservieren unter Telefon 08807.8437.

Am Faschingsmontag, 27. Februar darf die Fischerei Luft holen und aufatmen. Früher hat man gesagt, die Karawane zieht weiter – so ist es noch heute. Man trifft sich – nein, nicht bei der Nacht des Grauens – sondern beim Rosenmontagsball am westlichen Ortsrand (Mehrzweckhalle). Hier regiert der Diessener Musikverein, der heuer die Faschingsarena in einen riesigen Zirkus verwandelt: Der Circus Musicus startet sein Programm ab 19.30 Uhr. Auf der Bühne The White Eagle Pushies.

Zurück in die Fischereier Gaudi-Zentrale geht es dann am Faschingsdienstag, 28. Februar. Ab 10 Uhr gibt’s Weisswürscht vom laufenden Band. Um 14 Uhr beginnt der Handwagerl-Umzug auf dem Untermüllerplatz, dazu spielen auf der Spielmannszug des Diessener Trachtenvereins mit Andreas Huber an der Spitze und die Hauskapelle Krach und Fürchterlich. Ist das Wetter gut, geht der Narrentreff auf dem Untermüllerplatz weiter, bei schlechtem Wetter trifft man sich in der Gaudi-zentrale beim Unterbräu. Hier gehen die Lichter nicht aus, bevor sich der letzte Akt dies diesjährigen Faschings verabschiedet: Prinz Karneval wird gegen 23 Uhr zur Beerdigung im Ammersee begleitet, vorneweg schreiten die Musikanten der Blaskapelle Thaining. Dem Bestattungsakt folgt auf der Spur der Startschuss für die nächste Saison: Der Starkbieranstich, dazu schmecken gerollte Möpse, lange Heringe und mehr …

Spätestens jetzt vermisst die geneigte Leserschaft das Musikprogramm – denn eines weiß Groß und Klein, ohne Lotter kann der Fasching in Diessen keiner sein. So ist es auch 2017: Mandy Lotter holt seine Glitzer-Klamotte frühmorgens aus dem Schrank, schultert die legendäre rote Gitarre und setzt sich Richtung Unterbräu in Bewegung. 200 Songs, Hits, Gags, Witze – schätzen Eingeweihte – hat er parat. Die braucht er, weil er den ganzen Tag über Musik macht. Pausen gibt es nur für das Allernötigste. Mit dabei seine San Francisco-Partyband mit Sängerin Btina und Keyboarder Reinhold Ohmayer von der Bayern 1-Band. Was Mandy Lotters größte Freude ist: „Zum ersten Mal stehe ich mit meinem Kleinen auf der Bühne.“ Der „Kleine“ überragt den Vater erheblich: Manu Lotter (28) ist derzeit einer der besten Drummer auf dem Weg zur Weltspitze.

Text Beate Bentele


Zurück zur letzten Seite